Das Zeckenrisiko steigt


29.3.2021 (verpd) Zecken können eine Vielzahl von zum Teil lebensgefährlichen Infektionskrankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Die Anzahl der Personen, die durch Zeckenbisse an FSME erkrankt sind sowie die Zahl der Regionen, in denen hierzulande vermehrt solche Vorfälle gemeldet wurden, haben 2021 neue Höchstwerte erreicht. Was der Einzelne beachten sollte, um das Risiko eines Zeckenstichs zu minimieren.

Zecken sind bereits ab einer Außentemperatur von sechs bis sieben Grad Celsius aktiv, damit steigt im Frühjahr die Gefahr, von diesen Plagegeistern im Freien gestochen zu werden. Die Blutsauger können eine Vielzahl an Krankheiten, darunter Borreliose und die lebensgefährliche Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Zwar trägt nicht jede Zecke derart krankmachende Viren in sich, aber das Risiko steigt.

Bezüglich der hauptsächlich von Zecken übertragenen FSME belegen dies mitunter die vor Kurzem vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichten neuesten Daten. Allein letztes Jahr wurden in Deutschland 704 Personen gemeldet, die an FSME erkrankt sind. Das waren 58 Prozent mehr als noch 2019 und zugleich der höchste Wert seit 2001, der Einführung der entsprechenden FSME-Statistik. Auch die Anzahl der Regionen in Deutschland, in denen vermehrt FSME-Erkrankungen aufgetreten sind, ist auf ein neues Rekordniveau gestiegen.

Zahl der FSME-Risikogebiete nimmt weiter zu

FMSE-Risikogebiete sind Regionen, in denen in einem Zeitraum von fünf Jahren mehr als fünf FSME-Fälle pro 100.000 Einwohner registriert wurden. Das heißt allerdings auch, dass in Gegenden, die keine Risikogebiete sind, dennoch die Gefahr besteht, dass durch einen Zeckenbiss FSME-Viren übertragen werden können.

Insgesamt wies das RKI für Deutschland 169 Land- und Stadtkreise aus, die von 2002 bis 2020 in mindestens einem Fünfjahreszeitraum fünf oder mehr FSME-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner hatten. Das waren damit in 2020 fünf Risikogebiete mehr als noch im Jahr davor. Im Webportal des RKI ist online eine Deutschlandkarte mit den farbig gekennzeichneten Risikogebieten abrufbar.

Fast alle Regionen in Bayern und Baden-Württemberg zählen zu den Risikogebieten. Auch Teile von Hessen, Sachsen und Thüringen sowie je ein Land- oder Stadtkreis in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Sachsen-Anhalt sind als Risikogebiete eingestuft. Auch in zahlreichen anderen Ländern wie zum Beispiel in Österreich, Schweiz, Polen, Slowenien, Slowakei, Ungarn, Tschechien, Liechtenstein, Litauen, Estland, Lettland, Russland und Norwegen gibt es immer wieder FSME-Fälle.

Gegen FSME kann man sich impfen lassen …

Symptome für eine FSME-Infektion sind grippeähnliche Anzeichen wie Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, aber auch Magenbeschwerden und/oder Durchfall, die meist ein bis drei Wochen nach der Übertragung auftreten und dann wieder verschwinden können.

Doch auch nach einer kurzen beschwerdefreien Zeit können die Viren eine Hirnhaut- oder Gehirnentzündung hervorrufen. Mögliche Anzeichen dieses zum Teil tödlich endenden Krankheitsstadiums sind Fieber, Kopfschmerzen, Sprach- und Schluckbeschwerden, Nackensteife und Lähmungen bis hin zu Krampfanfällen oder Koma.

Der beste Schutz vor FSME für alle, die in einem Risikogebiet wohnen, arbeiten oder dorthin reisen, ist nach Angaben der RKI-Gesundheitsexperten, sich dagegen impfen zu lassen. Diverse Informationen rund um die entsprechende Impfung gibt es auf der Webseite des RKI.

… gegen Borreliose nicht

Noch häufiger als FSME übertragen Zecken die Krankheit Borreliose, auch als Lyme-Borreliose bekannt. Experten schätzen, dass je nach Region bis zu 30 Prozent der Zecken die Auslöser der Krankheit, nämlich die Borrelien-Bakterien in sich tragen. Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht. Borreliose ist anders als FSME zudem keine meldepflichtige Krankheit. Das RKI geht jedoch davon aus, dass sich hierzulande zwischen 80.000 und 100.000 Personen pro Jahr damit anstecken.

Nach einem Zeckenstich sollte man die Zecke umgehend, möglichst binnen zwölf Stunden entfernen. Denn je später sie entfernt wird, desto höher ist das Risiko einer Infektion mit Borrelien, wenn das Tier die Bakterien in sich trägt. Ob man mit den Bakterien infiziert wurde, zeigt sich oft erst nach Tagen oder Wochen durch eine ringförmige rötliche Hautveränderung, die sogenannte Wanderröte, direkt an der Stichstelle oder an anderen Körperstellen. Eine Borrelieninfektion kann auch bis zu sechs Wochen nach einem Zeckenstich zu Fieber, Müdigkeit und Kopf-, Gelenk- oder Muskelschmerzen führen.

In allen genannten Fällen sollte man sich umgehend vom Arzt ein spezielles Antibiotikum gegen Borrelien verschreiben lassen. Anderenfalls kann auch Wochen, Monate oder gar Jahre danach noch eine chronisch und in Schüben verlaufende Multisystemkrankheit auftreten, die fast jedes Organ, das Nervensystem, die Gelenke und das Körpergewebe betreffen kann. Die Folgen reichen von chronischer Hautentzündung über Nervenschmerzen, halbseitige Gesichtslähmung, Herzerkrankungen bis hin zu Tastsinn- und Sehstörungen sowie Lähmungen an Armen oder Beinen.

Zecken verhindern oder notfalls richtig entfernen

Schon seit mehr als zehn Jahren gibt es in Deutschland nicht nur heimische Zeckenarten, sondern auch die tropische Hyalomma-Zecke. Diese ist doppelt bis dreimal so groß wie unsere heimischen Zecken und es besteht die Möglichkeit, dass diese unter anderem Erreger des sogenannten Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers und eine Form des Zecken-Fleckfiebers übertragen können. Da es keine Impfung gegen Borreliose gibt und Zecken auch noch andere Krankheiten übertragen können, ist es umso wichtiger, sich bereits im Vorfeld gegen Zeckenstiche zu schützen.

Das RKI nennt vier Präventionsmaßnahmen, die das Risiko, von einer Zecke gestochen und dadurch krank zu werden, minimieren:

Stellt man fest, dass sich doch eine Zecke am Körper festgesetzt hat, sollte man bei der Entfernung des Blutsaugers laut RKI Folgendes beachten:

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