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Social Entrepreneurship – Der ultimative Guide für Non-Profits 2026


Social Entrepreneurship

„Unternehmen sind für Gewinne zuständig, NGOs und Ehrenamtliche für das Gemeinwohl“: So zumindest die gängige Annahme. Doch immer mehr Gründer beweisen, dass sich wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftlicher Mehrwert ideal ergänzen.

Social Entrepreneurship nennt sich dieser Trend und allein in Deutschland gibt es mittlerweile an die 77.000 Sozialunternehmen, die ihm folgen – Tendenz steigend.

Doch was genau steckt hinter diesem Konzept, wie gründet man ein eigenes Sozialunternehmen und welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?

In unserem ultimativen Guide für Non-Profits zeigen wir Ihnen alles, was Sie zum Social Entrepreneurship wissen müssen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Social Entrepreneurship bezeichnet unternehmerisches Handeln mit dem Ziel, gesellschaftliche Probleme zu lösen. Anstelle der Gewinnmaximierung steht hier daher die positive gesellschaftliche Wirkung im Fokus.

  • Sozialunternehmen müssen nicht zwingend gemeinnützig sein. Entscheidend ist vielmehr, dass das Unternehmen einem gesellschaftlichen Nutzen nachgeht.

  • Der Erfolg von Sozialunternehmen wird vor allem anhand der positiven Wirkung auf die Gesellschaft (Social Impact), des Entwicklungspotenzials und anhand der Dokumentation gemessen.

  • Social Entrepreneurs sichern die Finanzierung ihrer Projekte über Spenden, Fördermittel, Sozialinvestoren, Stiftungen, Crowdfunding, Netzwerke oder spezielle Kredite.

1. Definition – Was bedeutet Social Entrepreneurship?

Social Entrepreneurship, auch Sozialunternehmertum genannt, beschreibt unternehmerisches Handeln mit dem vorrangigen Ziel, gesellschaftliche Probleme zu lösen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht Gewinnmaximierung, sondern die nachhaltig positive Wirkung für das Gemeinwohl. 

Gewinne werden demnach nicht ausgeschüttet, sondern zur Förderung der sozialen Mission verwendet. Selbst bei gewerblichen Sozialunternehmen erfolgt zumindest eine teilweise Reinvestition der erwirtschafteten Mittel.

Soziale Ausrichtung

Konkret zeichnet sich das Social Entrepreneurship durch folgende Aspekte aus:

  • Ziel ist die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen

  • Im Zentrum steht der gesellschaftliche Nutzen, nicht der finanzielle Ertrag

  • Orientierung an mindestens einem der 17 Nachhaltigkeitsziele (SDG) der Vereinten Nationen

Unternehmertum

Social Entrepreneurship verbindet soziale Zielsetzungen mit unternehmerischer Professionalität.

Das umfasst:

  • Den Einsatz unternehmerischer Methoden und Strategien

  • Die Entwicklung innovativer Produkte oder Dienstleistungen

  • Ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell

  • Eine kontinuierliche Weiterentwicklung zur Steigerung der Wirkung

Governance

Governance beschreibt die interne Struktur und Steuerung eines Unternehmens. 

Sie gewährleistet, dass die gesellschaftlichen Ziele nicht nur formuliert, sondern dauerhaft umgesetzt werden.

Damit gehen jedoch auch einige Voraussetzungen einher, darunter:

  • Eine klare Zweckbindung der erwirtschafteten Gewinne

  • Reinvestition statt Gewinnausschüttung

  • Transparente Entscheidungs- und Kontrollmechanismen

  • Sicherstellung der langfristigen Wahrung der sozialen Mission

Welche Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) verfolgen Sozialunternehmen?

September 2015 verabschiedeten die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030. Im Mittelpunkt stehen hier 17 Nachhaltigkeitsziele oder Sustainable Development Goals (SDGs), die einen verbindlichen Orientierungsrahmen für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bilden. 

Die SDGs verbinden die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (Soziales, Wirtschaft und Umwelt), um eine gerechtere, friedlichere und ökologisch tragfähigere Welt zu schaffen. Auch Social Entrepreneurs orientieren sich bei ihrer Arbeit an den SDGs.

 

Die 17 SDGs der UN im Überblick:

  • SDG 1: Armut soll weltweit beendet werden.

  • SDG 2: Niemand soll Hunger leiden.

  • SDG 3: Jeder Mensch soll ein gesundes Leben führen können.

  • SDG 4: Bildung soll für alle zugänglich und von guter Qualität sein.

  • SDG 5: Frauen und Männer sollen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

  • SDG 6: Alle Menschen sollen Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen haben.

  • SDG 7: Energie soll für alle sicher und nachhaltig verfügbar sein.

  • SDG 8: Jeder soll Zugang zu fairen Arbeitsbedingungen haben und die Wirtschaft soll nachhaltig wachsen.

  • SDG 9: Infrastruktur und Innovation sollen gefördert werden.

  • SDG 10: Ungleichheiten innerhalb und zwischen Ländern sollen verringert werden.

  • SDG 11: Städte und Siedlungen sollen sicher, inklusiv und umweltfreundlich sein.

  • SDG 12: Ressourcen sollen effizient genutzt und Abfall reduziert werden.

  • SDG 13: Der Klimawandel soll bekämpft und seine Folgen gemindert werden.

  • SDG 14: Meere, Ozeane und Meeresressourcen sollen geschützt und nachhaltig genutzt werden.

  • SDG 15: Wälder, Böden und Ökosysteme sollen erhalten und wiederhergestellt werden.

  • SDG 16: Frieden, Rechtsstaatlichkeit und funktionierende Institutionen sollen gefördert werden.

  • SDG 17: Globale Zusammenarbeit soll gestärkt werden.

Welche Zielgruppen adressiert das Social Entrepreneurship?

Für Social Entrepreneurs ist es oft eine besondere Herausforderung, die Zielgruppen zu definieren. Denn soziale Geschäftsmodelle richten sich häufig nicht nur an eine einzige Gruppe, sondern sprechen mehrere Akteure gleichzeitig an. 

Da jede Gruppe eigene Erwartungen und Motive hat, müssen auch Kommunikation und Marketing differenziert gestaltet sein. Nur so kann das Social Business sowohl seine soziale Wirkung entfalten als auch langfristig tragfähig wirtschaften.

Nutzer & Kunden

Zunächst gibt es die direkten Nutzer des Angebots. Das sind die Menschen, deren Lebenssituation konkret verbessert oder deren Problem gelöst werden soll. 

Sie stehen im Zentrum der sozialen Mission und bestimmen maßgeblich, wie das Produkt oder die Dienstleistung ausgestaltet wird. Ihre Bedürfnisse, Fähigkeiten und Lebensumstände sind entscheidend für den tatsächlichen Impact des Projekts.

Allerdings sind diese Nutzer nicht zwangsläufig auch zahlende Kunden. Gerade im Social Entrepreneurship fällt die Rolle von Nutzern und Kunden häufig auseinander. Dieser Unterschied hat direkte Auswirkungen auf Preisgestaltung, Vertrieb und Marketing. 

Die Ansprache der Nutzer muss niedrigschwellig und bedarfsorientiert sein, während die Kommunikation gegenüber zahlenden Kunden stärker auf Wirkung, Effizienz und Mehrwert ausgerichtet wird.

Weitere Profiteure

Darüber hinaus existieren indirekte Profiteure. Dazu zählen beispielsweise:

  • Lokale Unternehmen, die von besser qualifizierten Arbeitskräften profitieren.

  • Kommunen oder staatliche Institutionen, die durch neue Arbeits- oder Ausbildungsplätze entlastet werden.

  • Stiftungen, Unternehmen oder Privatpersonen, die durch ihre Unterstützung gesellschaftliche Verantwortung zeigen oder ihr Image stärken.

Diese indirekten Nutznießer sind nicht nur für die Wirkung des Social Business relevant, sondern können auch wichtige Förderer sein. 

Wer finanzielle, personelle oder strukturelle Unterstützung sucht, sollte daher stets im Blick haben, welche Akteure vom Ansatz des Sozialunternehmens profitieren und diese strategisch ansprechen.

Beispiele für Social Entrepreneurship 

  • Share: Verkauft Konsumprodukte nach dem 1+1-Prinzip. Für jedes gekaufte Produkt wird ein gleichwertiges Produkt an bedürftige Menschen gespendet.

  • Lemonaid / ChariTea: Vertreiben fair gehandelte Bio-Getränke und spenden pro verkaufter Flasche einen festen Betrag an soziale Projekte weltweit.

  • FundraisingBox: Stellt Non-Profit-Organisationen eine digitale Lösung zur Verfügung, mit der sie Online-Spenden sammeln und verwalten können.

  • Conflictfood: Importiert und verkauft Spezialitäten aus Konfliktregionen, um durch fairen Handel wirtschaftliche Perspektiven vor Ort zu schaffen.

  • vostel volunteering: Betreibt eine Online-Plattform, die Freiwillige schnell und unkompliziert mit sozialen Projekten in ganz Deutschland vernetzt.

  • Quartiermeister: Produziert Bier, dessen Gewinne direkt in soziale und kulturelle Projekte der jeweiligen Nachbarschaft fließen.

  • HiMate!: Fördert durch gemeinsame Freizeit- und Kulturangebote den Austausch und die Integration von Menschen unterschiedlicher Herkunft.

  • TeachSurfing: Ermöglicht Reisenden, ihr Wissen in kostenlosen Workshops weiterzugeben und so interkulturellen Austausch zu stärken.

  • auticon: IT-Beratungsunternehmen, das gezielt Menschen im Autismus-Spektrum beschäftigt und deren besondere Fähigkeiten einsetzt.

  • nebenan.de: Digitales Nachbarschaftsnetzwerk, das Austausch, gegenseitige Unterstützung und Gemeinschaft im Wohnviertel fördert.

2. Social Enterprise vs. klassisches Unternehmen – Worin liegt der Unterschied?

Klassische Unternehmen

  • Mission: Klassische Unternehmen haben das Ziel, Gewinne zu maximieren.

  • Erfolgskriterien: Erfolg wird hauptsächlich anhand von Umsatz, Profit und Marktanteilen gemessen.

  • Motivation: Gründer verfolgen meist das Ziel, ihren Lebensunterhalt zu sichern oder ihr Vermögen zu steigern.

  • Gründungsform: Die Gründung erfolgt häufig durch Einzelpersonen.

  • Kundengewinnung: Kundengewinnung hängt stark von Marketingstrategien und Wettbewerbsvorteilen ab.

  • Innovation: Innovationen werden eingesetzt, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll sind oder den Marktanteil erhöhen.

  • Wettbewerb: Im Wettbewerb streben klassische Unternehmen klare Vorteile gegenüber Konkurrenten an.

  • Gewinnverwendung: Gewinne fließen in der Regel an die Eigentümer oder Investoren.

Sozialunternehmen

  • Mission: Sozialunternehmen zielen darauf ab, gesellschaftliche oder ökologische Probleme zu lösen.

  • Erfolgskriterien: Erfolg wird an der gesellschaftlichen Wirkung (Impact) der Produkte und Dienstleistungen gemessen, nicht am Gewinn.

  • Motivation: Gründer verfolgen ein Herzensprojekt und nicht primär die Sicherung des Lebensunterhalts.

  • Gründungsform: Sozialunternehmen werden häufig von Teams gegründet.

  • Kundengewinnung: Kundengewinnung gelingt oft leichter, da die Unternehmensziele mit den Interessen der Kunden übereinstimmen.

  • Innovation: Sozialunternehmen zeichnen sich durch Innovation aus.

  • Wettbewerb: Im Wettbewerb geht es nicht um Wettbewerbsvorteile, sondern um gesellschaftliche Wirkung.

  • Gewinnverwendung: Gewinne werden nicht ausgeschüttet, sondern in die Weiterentwicklung der sozialen Mission reinvestiert.

3. Ist Gemeinnützigkeit Voraussetzung für Social Entrepreneurship?

Der Status der Gemeinnützigkeit ist an rechtliche Vorgaben geknüpft und muss durch einen formellen Antrag beim zuständigen Finanzamt anerkannt werden. Wer ein Social Business in der Rechtsform einer gGmbH oder gUG (gemeinnützige Unternehmergesellschaft) gründen will, muss sich daher neben den allgemeinen Gründungsformalitäten offiziell den sozialen Zweck bestätigen lassen.

Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit erfolgt dabei zunächst für einen Zeitraum von drei Jahren. Im Rahmen der Gründung prüft das Finanzamt dazu die Satzung. Während des laufenden Geschäftsbetriebs werden dann der tatsächliche Geschäftszweck sowie die Steuererklärungen kontrolliert, um die dauerhafte Einhaltung der gemeinnützigen Ziele sicherzustellen.

Grundsätzlich ist die Wahl einer gemeinnützigen Rechtsform für die Gründung eines Sozialunternehmens jedoch nicht zwingend erforderlich. Auch eine reguläre Kapitalgesellschaft kann ein soziales Geschäftsmodell verfolgen. Unternehmen, die zwar sozial motiviert handeln, ihre Gewinne jedoch maßgeblich an Investoren ausschütten, werden allerdings nicht dem Social Entrepreneurship zugerechnet.

 

Welche Kriterien gelten für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit eines Sozialunternehmens?

Damit ein Sozialunternehmen als gemeinnützig anerkannt wird, muss es bestimmte Vorgaben gemäß Abgabenordnung (siehe § 52 ff. AO) erfüllen.

Dazu gehören:

  • Selbstlosigkeit: Das Unternehmen darf nicht auf Gewinn ausgerichtet sein. Es muss einen gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zweck verfolgen. Ebenso dürfen Gewinne nicht an Gesellschafter ausgeschüttet werden.

  • Unmittelbarkeit: Der in der Satzung festgelegte Zweck muss tatsächlich umgesetzt werden. Alle erwirtschafteten Mittel müssen diesem Zweck zugutekommen.

  • Förderung der Allgemeinheit: Die Unterstützung darf nicht auf einzelne Personen, Familien oder Berufsgruppen beschränkt sein. Gefördert werden muss ein allgemein zugänglicher Personenkreis.

  • Vermögensbindung: Im Falle der Liquidation muss ein Begünstigter festgelegt werden. Dabei kann es sich um ein anderes gemeinnütziges Unternehmen oder einen Verein handeln, das Vermögen muss aber stets einem gemeinnützigen Zweck dienen.

     

In welchen Bereichen sind gemeinnützige Unternehmen aktiv?

Die Abgabenordnung legt nicht nur fest, welche Voraussetzungen ein Unternehmen erfüllen muss, um als gemeinnützig anerkannt zu werden, sondern bestimmt auch, welche Bereiche ein solches Unternehmen fördern darf.

Dazu gehören unter anderem:

  • Sport: Förderung von Bewegungsangeboten und sportlichen Aktivitäten.

  • Wissenschaft und Forschung: Unterstützung von Bildungs- und Forschungsprojekten.

  • Religion: Förderung kirchlicher oder religiöser Einrichtungen und Aktivitäten.

  • Gesundheitswesen: Verbesserung der medizinischen Versorgung und Gesundheitsangebote.

  • Jugend- und Altenhilfe: Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen.

  • Kunst und Kultur: Förderung kultureller Projekte, Kunst und kreativer Aktivitäten.

  • Naturschutz: Schutz und Erhalt von Natur, Landschaften und ökologischen Lebensräumen.

  • Unterstützung benachteiligter Gruppen: Hilfe für politisch oder religiös Verfolgte, Flüchtlinge oder Menschen mit Behinderung: 

  • Tierschutz: Schutz und Pflege von Tieren.

  • Gleichberechtigung: Förderung von Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit.

4. Gründung eines Sozialunternehmens – Welche Rechtsformen sind für das Social Entrepreneurship geeignet?

Die Gründung eines Sozialunternehmens unterscheidet sich grundsätzlich nicht allzu stark von der eines klassischen Unternehmens. Wichtig ist jedoch, dass angehende Social Entrepreneurs im Vorfeld prüfen, welche Rechtsform am besten zu ihrem Vorhaben passt. 

Rechtsform und Geschäftsmodell sind dabei getrennt zu betrachten. Die Rechtsform legt nämlich nur den rechtlichen Rahmen fest. Das Geschäftsmodell bestimmt hingegen, wie das Unternehmen seine sozialen Ziele tatsächlich umsetzt.

Ein Sozialunternehmen muss also nicht zwingend gemeinnützig sein. Je nach Projekt können unterschiedliche Rechtsformen gewählt werden.

Eingetragener Verein (e. V.)

Der eingetragene Verein (e. V.) eignet sich besonders für Projekte ohne Gewinnorientierung, deren Zweck auf eine soziale, kulturelle oder bildungsbezogene Mission ausgerichtet ist. Typische Beispiele sind gemeinnützige Initiativen, kulturelle Veranstaltungen oder Bildungsprojekte.

Für die Gründung sind mindestens sieben Mitglieder erforderlich. Zudem muss ein Vorstand gebildet werden, der den Verein nach außen vertritt. Ein wesentlicher Vorteil des eingetragenen Vereins ist seine Flexibilität. Mitglieder können etwa vergleichsweise unkompliziert ein- und austreten. Dadurch eignet sich diese Rechtsform besonders für Projekte mit wechselndem Mitgliederbestand oder auf Basis von ehrenamtlichem Engagement.

Gemeinnützige Unternehmen (gGmbH, gUG, gAG)

Gemeinnützig ausgerichtete Rechtsformen wie die gGmbH, gUG oder gAG eignen sich insbesondere für Projekte, die einen gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zweck verfolgen, aber weiterhin eine professionelle Organisationsstruktur bevorzugen.

Sie können von einer Einzelperson oder einem Team gegründet werden, erfordern jedoch ein Stammkapital (je nach Rechtsform 1 bis 50.000 Euro). Gewinne dürfen nicht ausgeschüttet werden, sondern sind in die Weiterentwicklung des sozialen Zwecks zu reinvestieren. 

Zu den zentralen Vorteilen zählen vornehmlich steuerliche Begünstigungen sowie die klare Ausrichtung auf einen sozialen Zweck, der nach außen deutlich erkennbar ist. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Spenden einzuwerben.

Als Nachteil ist zu berücksichtigen, dass die Gemeinnützigkeit regelmäßig vom Finanzamt überprüft wird. In der Praxis erfolgt diese Prüfung alle drei Jahre. Damit geht ein zusätzlicher Verwaltungsaufwand einher, da hierbei die satzungsgemäße Mittelverwendung und die ordnungsgemäße Geschäftsführung nachgewiesen werden müssen.

GmbH

Die GmbH eignet sich für stabile Gründerteams, die bereit sind, Kapital in das Vorhaben einzubringen und das Projekt langfristig mitzutragen. Gerade wenn das Unternehmen von einem überschaubaren Gesellschafterkreis geführt werden soll und keine breite Mitgliederstruktur vorgesehen ist, ist die GmbH die beste Wahl.

Für die Gründung ist ein gesetzlich vorgeschriebenes Stammkapital erforderlich. Zudem ist zu beachten, dass die Haftung grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt ist. Das bedeutet, dass die Gesellschafter in der Regel nicht mit ihrem Privatvermögen haften, sofern sie ihre Einlagen ordnungsgemäß leisten und keine Pflichtverletzungen vorliegen.

UG

Die Unternehmergesellschaft (UG) ist eine Sonderform der GmbH und wird deshalb auch als „Mini-GmbH“ bezeichnet. Dementsprechend eignet sie sich genau wie die GmbH für Vorhaben, die von einem festen Gesellschafterkreis getragen werden. Ein wesentlicher Vorteil liegt hier jedoch im geringeren Mindeststammkapital.

Zudem kann eine UG bereits von einer einzelnen Person gegründet werden und die formalen Anforderungen sind im Vergleich zur klassischen GmbH generell etwas schlanker ausgestaltet. 

Im Gegenzug besteht allerdings die Pflicht zur Bildung von Rücklagen und zwar so lange, bis das Stammkapital einer GmbH erreicht ist. Die UG ist besonders für kleinere Social Enterprises oder Gründungsvorhaben attraktiv, die zügig starten möchten, ohne von Beginn an ein hohes Stammkapital aufbringen zu müssen. 

AG

Die Aktiengesellschaft (AG) ist ideal für Vorhaben mit einer größeren Mitgliederzahl geeignet, bei denen die Gesellschafter keine direkte operative Rolle übernehmen möchten und bei denen mit hoher Mitgliederfluktuation zu rechnen ist. 

Zur Gründung müssen die Gesellschafter eine entsprechende Kapitalbeteiligung leisten. Somit bietet die AG die Möglichkeit, Kapital von vielen Beteiligten zu bündeln.

Für Sozialunternehmen ist die AG jedoch in der Regel ungünstig, denn die hohen finanziellen Einstiegshürden und die stärkere Abhängigkeit von Kapitalmarktinteressen können die Umsetzung der sozialen Mission erschweren.

Stiftung

Da die Stiftung die höchste Beständigkeit aller Rechtsformen bietet, ist sie dann sinnvoll, wenn der gemeinnützige Zweck dauerhaft gesichert werden soll. Bei der Gründung ist zu beachten, dass das Vermögen dauerhaft gebunden wird und klare Regelungen für die Verwaltung der Stiftung festgelegt werden müssen. Daher eignen sich Stiftungen vor allem für langfristige und stabile Projekte mit nachhaltiger Wirkung.

Genossenschaft

Die Genossenschaft basiert auf dem Prinzip von Solidarität und Selbsthilfe und hat das Ziel, die Interessen ihrer Mitglieder zu fördern. Sie ist demokratisch organisiert, das heißt, jeder Genossenschaftler hat unabhängig von der Höhe der Kapitaleinlage eine Stimme. 

Der Ein- und Austritt ist unkompliziert und die Haftung beschränkt sich auf die eingezahlte Kapitalbeteiligung. Genossenschaften eignen sich daher vor allem für kooperative Projekte, an denen viele Personen gleichzeitig beteiligt sind.

5. Wie wird der Erfolg von Social Entrepreneurship gemessen?

Social Entrepreneurs verfolgen fundamental andere Ziele als herkömmliche Unternehmen. Dementsprechend lässt sich ihr Erfolg auch nicht anhand von Umsatz oder Gewinn messen. Stattdessen müssen andere KPIs herangezogen werden, die besser mit den Zielen des Social Entrepreneurships übereinstimmen.

 

Social Impact

Das entscheidendste Kriterium für den Erfolg eines Sozialunternehmens ist der Social Impact, also die positive Wirkung, die ein Unternehmen in seinem Themenfeld auf die Gesellschaft hat. Die Messung des Social Impact ist jedoch anspruchsvoll, da Wirkung oft erst nach längerer Zeit sichtbar wird und von vielen Faktoren abhängt. 

Um den Social Impact zu strukturieren, hat das gemeinnützige Analyse- und Beratungshaus PHINEO daher die sogenannte Wirkungstreppe entwickelt:

  • Stufe 1 – Ressourcen: Welche Mittel und Inputs stehen dem Unternehmen zur Verfügung?

  • Stufe 2 – Aktivitäten: Welche Maßnahmen und Projekte führt das Unternehmen konkret durch?

  • Stufe 3 – Output: Welche unmittelbaren Ergebnisse entstehen aus den Aktivitäten?

  • Stufe 4 – direkte Wirkung: Welche Veränderungen treten bei der Zielgruppe durch die Ergebnisse ein?

  • Stufe 5 – indirekte Wirkung: Welche Effekte ergeben sich bei weiteren Betroffenen oder im Umfeld der Zielgruppe?

  • Stufe 6 – nachhaltige Wirkung: Wie stabil und langfristig sind die positiven Veränderungen?

  • Stufe 7 – gesellschaftlicher Impact: Welche umfassenden und langfristigen Verbesserungen bewirkt das Unternehmen für die Gesellschaft insgesamt?

 

Skalierbarkeit

Ein weiterer zentraler Faktor für Geschäftsmodelle im Social Entrepreneurship ist die Skalierbarkeit. Gemeint ist hier das Potenzial, zu wachsen und positive Effekte möglichst breit zu streuen. Dabei muss das Wachstum nicht zwangsläufig über die eigene Organisation erfolgen. 

Eine Skalierung kann zum Beispiel über Open-Source-Ansätze oder Franchising geschehen, bei denen andere Social Entrepreneurs das Modell gegen Schulungs- oder Lizenzkosten adaptieren. Ebenso ist eine Skalierung durch die Verbreitung von Ideen, Methoden und Konzepten möglich, indem andere Organisationen das eigene Vorgehen übernehmen oder weiterentwickeln.

 

Leistungsbewertung

Überdies lässt sich der Erfolg eines Sozialunternehmens anhand von Leistungsbewertung bemessen. Oft wird etwa das Capacity Assessment Grid verwendet, das auch bei regulären Unternehmen zum Einsatz kommt, um die Schwächen und Entwicklungspotenziale einer Organisation zu beurteilen. Unter anderem werden dabei Strukturmerkmale, Fähigkeiten und Ressourcen betrachtet. 

Eine beliebte Alternative ist die Social Enterprise Scorecard, die speziell auf soziale Zielsetzungen ausgelegt ist. Sie basiert auf der Balanced Scorecard und verschafft einen Überblick über die wichtigsten strategischen Ziele des Unternehmens. Dabei werden alle Ziele in einer Übersicht zusammengefasst und diese anschließend durch passende Kennzahlen, Zielvorgaben und Maßnahmen ergänzt.

 

Reporting

Für die Dokumentation des Social Impacts gibt es bislang keine einheitlichen Reporting-Standards. Um dennoch eine strukturierte Berichterstattung zu ermöglichen, haben die Non-Profit-Organisation Ashoka und ihre Kooperationspartner den Social Reporting Standard (SRS) entwickelt.

Der SRS strukturiert die Darstellung von der gesellschaftlichen Ausgangssituation über Ziele und eingesetzte Maßnahmen bis hin zu konkreten Ergebnissen und der langfristigen Wirkung. Dabei werden nicht nur Aktivitäten und Outputs beschrieben, sondern auch die angestrebten und erreichten Veränderungen für die Zielgruppen veranschaulicht. 

Darüber hinaus umfasst der SRS Angaben zu Organisationsstruktur, Strategien, Ressourcen, Finanzen und Governance. Dadurch entsteht ein ganzheitliches Bild der Organisation, das sowohl die soziale Wirkung als auch die wirtschaftliche Grundlage transparent darstellt.

  • Tipp: Weitere Details zum SRS erhältst Du auf der Website von Ashoka:

► Webauftritt von Ashoka

6. Förderung für das Social Entrepreneurship

Für die Umsetzung ihrer Projekte benötigen Social Entrepreneurs vor allem eines: finanzielle Mittel. Die Finanzierung von Sozialunternehmen gestaltet sich jedoch oft schwieriger als bei klassischen Unternehmen. Denn der Geschäftszweck ist meist weder rein wirtschaftlich noch ausschließlich wohltätig.

Förderer unterscheiden in der Regel jedoch zwischen genau diesen beiden Bereichen. Hinzu kommt, dass Sozialunternehmen häufig eine geringere Rendite erwarten und in wenig entwickelten Märkten ein höheres Risiko tragen, was sie für viele Investoren schlichtweg unattraktiv macht. Dennoch können Social Entrepreneurs auf einige hilfreiche Finanzierungsquellen zurückgreifen.

 

Wie kann man ein Sozialunternehmen finanzieren?

Spenden

Spenden sind die Go-to-Finanzierungsquelle in der Anfangsphase eines Projektes. Sie können von Privatpersonen, Unternehmen oder Stiftungen kommen und müssen in der Regel nicht zurückgezahlt werden. 

Dem Spender bieten Sie derweil den Vorteil der Steuerabsetzbarkeit. Ihr Erfolg hängt jedoch stark von der Bekanntheit des Unternehmens und dem Vertrauen der Unterstützer ab.

  • Tipp: Alles, was du über Spenden in gemeinnützigen Organisationen wissen musst, erfährst du in diesem Beitrag:

► zum Artikel

Öffentliche Fördermittel

Auch öffentliche Gelder oder Fördermittel von Bund, Ländern oder Kommunen sind eine wichtige Finanzierungsquelle für soziale und ökologische Projekte. Hier profitieren Sozialunternehmen von einer stabilen Unterstützung, die nicht auf Rendite ausgerichtet ist. Nachteilig ist jedoch der aufwändige Antrags- und Verwaltungsprozess.

Sozialinvestoren & Fonds

Sozialinvestoren stellen Kapital bereit, das nicht bloß auf Gewinn, sondern auch auf gesellschaftliche Wirkung ausgerichtet ist. Sie kombinieren dazu finanzielle Unterstützung mit Erfahrung und Expertise. Im Gegenzug erwarten sie regelmäßige Berichte über den Fortschritt und die Wirkung des Unternehmens.

Stiftungen

Ebenso gibt es Förderstiftungen für Sozialunternehmen, die langfristige soziale Projekte planen. Hier sind die Fördermittel jedoch häufig zweckgebunden. Dementsprechend bleibt wenig Spielraum für eine flexible Verwendung der Mittel.

Crowdfunding

Immer beliebter wird darüber hinaus das Crowdfunding. Hierbei sichert die breite Öffentlichkeit mit vielen kleinen Beträgen die Finanzierung des Unternehmens. Der Benefit: Crowdfunding bringt nicht nur das nötige Kapital ins Sozialunternehmen, sondern erhöht zudem die Reichweite des Projekts. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, immerhin erfordert es viel Zeit und ein gutes Marketing, um genügend Unterstützer für das Projekt zu gewinnen.

  • Tipp: Mehr zum Thema Crowdfunding haben wir in diesem Beitrag für Dich:

► zum Artikel

Netzwerke

Netzwerke für Social Entrepreneurs bieten Zugang zu wertvollen Kontakten, Mentoring und potenziellen Investoren. Sie helfen besonders dabei, Kooperationen aufzubauen und neue Finanzierungsquellen zu erschließen. Im Vergleich zu direkten Fördermitteln oder Spenden erfordern Netzwerke allerdings Geduld, da sich Beziehungen erst über längere Zeit entwickeln.

Darlehen

Schließlich können gewerbliche Sozialunternehmen, die wirtschaftlich arbeiten und Gewinne erzielen, spezielle Kredite nutzen, die gezielt auf die Bedürfnisse von Social Businesses zugeschnitten sind. Ein Kreditgeber, der sich auf die Kreditvergabe für Social Entrepreneurs spezialisiert hat, ist beispielsweise die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

7. Netzwerke für Sozialunternehmer – Wo finde ich Initiativen für soziale Start-ups in Deutschland?

  • SEND e.V. (Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland): Das SEND e.V. ist das zentrale Netzwerk für Sozialunternehmer in Deutschland. Es vernetzt Akteure national und regional, fördert den Austausch und setzt sich für bessere politische Rahmenbedingungen ein.

  • Social Impact Labs: Diese Labs (u. a. in Berlin, Frankfurt, Hamburg) bieten physische Räume, Stipendien und Coachings für Sozialunternehmer. Sie dienen als Vernetzungsorte für Gründungen, die soziale oder ökologische Mehrwerte schaffen.

  • Ashoka Deutschland: Ist Teil eines weltweiten Netzwerks, das führende Sozialunternehmer identifiziert, unterstützt und miteinander vernetzt.

  • Social Entrepreneurship Akademie (SEA): Gilt als zentrale Anlaufstelle für Gründer im sozialen Bereich und bietet Weiterbildungen sowie Vernetzungsmöglichkeiten.

  • Socialbar: Eine ehrenamtlich organisierte Veranstaltungsreihe, die Web-Aktivisten, Sozialunternehmer, NGOs und Vertreter der klassischen Wirtschaft zum Networking und Erfahrungsaustausch zusammenbringt.

8. Fazit

Social Entrepreneurship bedeutet, unternehmerisches Denken gezielt einzusetzen, um soziale und ökologische Probleme zu lösen. Anders als bei klassischen Unternehmen steht hier nicht der Gewinn, sondern eine nachhaltige und messbare Wirkung im Vordergrund.

Sozialunternehmen nutzen dafür diverse Rechtsformen (e.V., GmbH, AG, UG etc.) und Finanzierungsquellen (z. B. Spenden, Investoren, Darlehen), die passgenau auf das Unternehmen zugeschnitten sind. 

Ihren Erfolg weisen sie nicht nur durch Umsatz, sondern vor allem durch ihren gesellschaftlichen „Impact“, ihre Skalierbarkeit und eine transparente Berichterstattung nach. Social Entrepreneurs zeigen so eindrucksvoll, dass wirtschaftliches Handeln und gesellschaftliche Verantwortung trotz vermeintlicher Zielkonflikte harmonieren können.

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